Das UI/UX-Designer-Berufsbild hat in den letzten zwei Jahrzehnten stark an Bedeutung für den Arbeitsmarkt gewonnen. Anfang der 2000er-Jahre entstanden im Zuge der Webentwicklung die ersten Jobs für UX-Designerinnen und UX-Designer. Erst mit dem Boom der Smartphones und Apps in den 2010er-Jahren wuchs die Relevanz des Zusammenspiels zwischen UX (User Experience) und UI (User Interface). Seit rund zehn Jahren sind UI/UX-Designerinnen und UI/UX-Designer fester Bestandteil interdisziplinärer Teams aus den Bereichen Produktmanagement, Entwicklung und Marketing. Ihre Expertise ist heute in nahezu allen Branchen gefragt.
Wenn du überlegst, ob dieser Bereich auch für dich das Passende ist, dann bist du hier genau richtig. In diesem Blogartikel erfährst du alles, was du über das UI/UX-Designer-Berufsbild wissen musst: Was bedeuten User Experience und User Interface eigentlich genau, was sind typische UI/UX-Designer-Aufgaben, mit welchen Tools arbeiten sie, welche Qualifikationen werden für UI/UX-Design in Deutschland vorausgesetzt und wie gelingt der Einstieg?
Was ist UI/UX-Design?
Ein gut durchdachtes UX- und UI-Design ist entscheidend für die Gestaltung ansprechender und benutzerfreundlicher Websites und trägt somit zum Erfolg digitaler Produkte bei. Beim User Interface (UI) Design steht die optisch ansprechende Gestaltung der Benutzeroberfläche im Mittelpunkt. Ergänzt wird diese durch sinnvoll platzierte Interaktionselemente wie Buttons, Farben, Typografie und Layout.
Beim User Experience (UX) Design steht die Userin bzw. der User einer Website im Vordergrund. Der Fokus liegt auf dem gesamten Nutzungserlebnis vom ersten Touchpoint bis zur letzten Interaktion. Das Ziel besteht darin, ein digitales Produkt so zu gestalten, dass es sich für die Benutzerin bzw. den Benutzer logisch, angenehm und effizient anfühlt. Um sicherzustellen, dass Websitebesuchende schnell das finden, wonach sie suchen, und sich gut zurechtfinden, umfasst dieser Bereich auch die Nutzerforschung, Informationsarchitektur, das Prototyping und Usability-Tests.
Ein professionelles UI/UX-Design ist also ein entscheidender Faktor dafür, wie Nutzende ein digitales Produkt wahrnehmen und das Unternehmen bewerten. Sie sollen alle Informationen, nach denen sie suchen, intuitiv finden und dabei von einer ansprechenden visuellen Gestaltung überzeugt werden.
Was macht ein UI/UX-Designer?
Die Hauptaufgabe einer UI/UX-Designerin bzw. eines UI/UX-Designers ist das harmonische Zusammenspiel zwischen einem ansprechenden User Interface (Benutzeroberfläche) und einer optimalen User Experience (Benutzererfahrung). Damit dies gelingt, besteht ihr oder sein Arbeitsalltag aus vielen verschiedenen Tätigkeiten:
- Nutzerforschung (User Research): Wer die Zielgruppe, ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten nicht kennt, entwickelt das digitale Produkt ins Blaue hinein. Eine fundierte Nutzerforschung in Form von Zielgruppenanalysen, Interviews, Customer-Journey-Analysen und Umfragen ermöglicht eine faktenbasierte und zielgerichtete Designentwicklung. Hierzu werden zunächst Personas und User Journeys erstellt, um das Nutzungsverhalten und die Bedürfnisse definieren zu können.
- Informationsarchitektur und Konzeption: UI/UX-Designerinnen und UI/UX-Designer müssen die Inhalte und Funktionen einer Seite so strukturieren, dass sie für Userinnen und User logisch und intuitiv bedienbar sind. Auf diese Weise wird die Frustration reduziert und die Wahrscheinlichkeit einer Conversion erhöht. Typische UX-Designer-Aufgaben sind in diesem Zusammenhang die Entwicklung von Navigationskonzepten sowie die Erstellung von Sitemaps und Flowcharts.
- Wireframes und Prototyping: Noch bevor eine Website programmiert und veröffentlicht wird, ist es essenziell, ihre Funktionalität und ihre Abläufe zu testen. UX-Designerinnen und UX-Designer erstellen hierfür Skizzen (Wireframes) und klickbare Modelle (Prototypen). Dann heißt es: testen, testen, testen! Das frühzeitige Erkennen von Fehlern und Unstimmigkeiten in Aufbau und Design spart Zeit und Geld, denn die Entwicklung ist der kostspieligste Teil des Prozesses.
- UI-Design: Hier geht es um das Look-and-Feel der Website. Zu den Aufgaben von UI-Designerinnen und UI-Designern gehört es, Farben, Typografie, Icons und Layouts so festzulegen, dass sie die gewünschte Funktionalität unterstützen und ästhetisch aussehen. Hierfür erstellen sie Designsysteme und Styleguides und entwerfen responsive Interfaces für verschiedene Gerätetypen. All dies hat Einfluss auf den ersten Eindruck und die emotionale Einstellung zum Produkt.
- Usability-Tests und Optimierung: Unabhängig davon, wie gut ein Design ist, zeigen sich die Schwächen erst im echten Gebrauch. Dafür müssen sogenannte Usability-Tests mit echten Nutzenden durchgeführt werden. Durch die Beobachtung und Auswertung des Verhaltens und des Feedbacks ergibt sich eine schrittweise Verbesserung des Designs und der Funktionalität.
- Zusammenarbeit im Team: Nicht zuletzt arbeiten UI/UX-Designerinnen und UI/UX-Designer eng mit den Bereichen Development, Produktmanagement, Marketing und anderen Stakeholderinnen und Stakeholdern zusammen, um das Produkt bestmöglich an die Webentwicklung übergeben zu können.
Tools und Softwares, die im UX/UI-Design gebraucht werden
Wie du gesehen hast, geht es in der täglichen Arbeit von UI/UX-Designerinnen und UI/UX-Designern sehr viel um Design, Prototyping, Testing und Analyse. Hierfür kommen viele verschiedene Tools und Softwares zum Einsatz, deren Einsatzbereiche und Vorteile wir dir kurz vorstellen möchten.
Zu den typischen Design- und Prototyping-Tools zählen beispielsweise Figma, Adobe XD oder Sketch. Sie alle eignen sich hervorragend für die Erstellung von UI-Designs. Ein großer Vorteil von Figma ist, dass es sich um ein kollaboratives Designtool handelt, das cloudbasiert ist und die Zusammenarbeit im Team somit sehr erleichtert. Adobe XD hingegen ermöglicht die Integration von Photoshop, Illustrator und After Effects, weshalb sich dieses Tool besonders für UI/UX-Designerinnen und UI/UX-Designer eignet, die bereits im Adobe-„Ökosystem“ arbeiten. Sketch galt lange Zeit als Standard im UI-Design und eignet sich ausgezeichnet für statische Designs und die Verwaltung von Komponenten. Aufgrund seiner langjährigen starken Stellung am Markt verfügt das Tool über eine sehr große Community mit vielen Plug-ins.
Bekannte Tools im Bereich Kollaboration und Testing sind beispielsweise Miro, Notion oder Maze. Miro und Notion eignen sich beide perfekt für die Zusammenarbeit, das Brainstorming im Team und die gemeinsame Ideenfindung. Miro bietet die Möglichkeit, Templates, Empathy Maps (visuelle Übersicht, um die Gedanken und die Gefühlswelt der Zielgruppe nachzuvollziehen) und Flowcharts für Personas anzulegen, während Notion ideal als Wissensdatenbank fungiert und das Management von Projekten in interdisziplinären Teams erleichtert. Maze hingegen eignet sich sehr gut für Remote-Usability-Tests, Umfragen und A/B-Tests. Einer der größten Vorteile dieses Tools ist, dass es sich in Figma integrieren lässt. Dadurch ist sehr schnelles Nutzerfeedback auf Prototypen möglich.
Im Bereich Analyse und Optimierung sind insbesondere die Tools Hotjar und Google Analytics zu nennen. Hotjar ist ein Tool zur Heatmap-Analyse. Es zeigt an, wie sich Nutzende tatsächlich auf der Website bewegen, also wo sie klicken, scrollen und abbrechen. Somit eignet sich Hotjar ideal zur Optimierung bestehender Interfaces. Google Analytics ermöglicht die Analyse des Nutzungsverhaltens, des Conversion-Trackings, der Absprungrate und der Zielgruppenanalyse. Auf dieser Grundlage können im UX- und UI-Design Entscheidungen validiert und hinterfragt werden.
Warum sind UI/UX-Designer so wichtig für Unternehmen?
Eine gute UI/UX-Designerin bzw. ein guter UI/UX-Designer ist für ein Unternehmen heute unverzichtbar. Der wichtigste Grund dafür ist, dass eine starke Onlinepräsenz auf dem hart umkämpften Markt essenziell ist, um sichtbar zu sein und gefunden zu werden – sei es auf der firmeneigenen Website oder in den sozialen Medien. Auf diese Weise trägt diese Funktion maßgeblich zum Erfolg eines Unternehmens bei. Darüber hinaus gibt es weitere wichtige Gründe dafür, warum UI/UX-Designerinnen und UI/UX-Designer so wichtig für Unternehmen sind.
Kundenzentrierung & Nutzungserlebnis
In ihrer täglichen Arbeit stehen die intuitive, benutzerfreundliche und visuell ansprechende Gestaltung digitaler Produkte wie Websites, Apps oder Software im Fokus. Verschiedenste Studien, etwa von McKinsey, Forrester oder Eleken, zeigen, dass ein gutes Nutzungserlebnis die Kundenzufriedenheit, die Markenbindung, die Verweildauer sowie die Conversion-Rate und den ROI steigert. Somit tragen User Experience und User Interface maßgeblich zur Wertschöpfung eines Unternehmens bei.
Wettbewerbsvorteil
In nahezu jeder Branche ist der Markt hart umkämpft und es gibt viele Wettbewerbende. Daher können kleine Unterschiede im Design und in der Nutzerführung die Nutzungserfahrung maßgeblich beeinflussen und darüber entscheiden, für wen sich eine Kundin oder ein Kunde entscheidet. Mit einem exzellenten UI/UX-Design haben Unternehmen bei einem ähnlichen Produkt die Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben.
Effizienz & Kostenersparnis
Durch frühes Prototyping und Testing werden Fehler und Probleme sichtbar, bevor die finale Umsetzung erfolgt. Auf diese Weise können Produkte nicht nur schneller und zielgerichteter entwickelt werden, sondern es spart auch ungemein viel Geld. Änderungen im Design und Layout sind in der Konzeptphase noch vergleichsweise günstig, in der Entwicklungsphase belaufen sich die Kosten jedoch auf ein Vielfaches.
Welche Qualifikationen braucht man für UI/UX-Design?
Gemessen an einer typischen UI/UX-Designer-Stellenbeschreibung erfordert die erfolgreiche Ausübung dieses Berufs eine Kombination aus Hard Skills und Soft Skills. Im Folgenden stellen wir dir die wichtigsten UI/UX-Designer-Anforderungen vor.
Hard Skills für UI/UX-Designer
Im Bereich der fachlichen Fähigkeiten wird insbesondere der sichere Umgang mit den oben genannten gängigen Tools und Softwares vorausgesetzt, die im UX- und UI-Design verwendet werden. Hierzu gehören beispielsweise Figma, Adobe XD oder Sketch als Handwerkszeug für Wireframes, Prototypen und visuelle Designs. Du solltest über Basiswissen im Bereich der Frontend-Technologien wie HTML, CSS und JavaScript verfügen, da dies die Zusammenarbeit mit Entwicklerinnen und Entwicklern enorm erleichtert. Du weißt selbstverständlich auch, wie zielgerichtete Usability-Tests, A/B-Tests und User Research durchgeführt und ausgewertet werden, um die gewonnenen Erkenntnisse direkt umzusetzen. Darüber hinaus kennst du die allgemeinen Best Practices aus den Bereichen UX und UI und weißt, was gerade State of the Art ist.
Soft Skills für UI/UX-Designer
Für die Ausübung des UI/UX-Design-Berufs sind neben fachlichem Know-how auch eine Reihe persönlicher und sozialer Kompetenzen erforderlich, da diese Berufsgruppe eng und interdisziplinär mit vielen anderen Bereichen zusammenarbeitet. Team- und Kritikfähigkeit wird in diesem Berufszweig also zwingend vorausgesetzt, da Feedback essenziell ist, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Diese Kompetenz wird mit einer ausgeprägten Kommunikationsfähigkeit gepaart, da Feedback und konstruktive Kritik nicht nur aufgenommen und diskutiert, sondern die Ideen in erster Linie auch überzeugend dem Team präsentiert werden müssen.
Darüber hinaus solltest du als angehende UI/UX-Designerin oder angehender UI/UX-Designer über Kreativität, Problemlösungskompetenz und analytisches Denken verfügen. Nur so kannst du die ermittelten Daten richtig interpretieren und entsprechende Handlungen ableiten. Du solltest in der Lage sein, für komplexe Herausforderungen, wie beispielsweise Begrenzungen durch technische Systeme, schnell innovative Lösungen zu entwickeln. Nicht zuletzt solltest du kompromissbereit, sachlich und objektiv sein, wenn es um die Akzeptanz anderer Geschmäcker bei der Gestaltung eines digitalen Produkts geht.
Karriereperspektiven und Gehaltsaussichten
Der Stellenmarkt für UI/UX-Design in Deutschland ist vielversprechend und entwickelt sich bereits seit vielen Jahren sehr positiv. Gemäß der Jobbörse Jobtensor gibt es derzeit mehr als 3.500 freie UI/UX-Designer-Jobs, vor allem in den Großstädten Berlin, München, Hamburg und Frankfurt. Die steigende Nachfrage nach Fachpersonal für UI- und UX-Webdesign in nahezu allen Branchen steht in direktem Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung.
Nicht zuletzt sind deine Möglichkeiten in diesem Bereich vielseitig: Du kannst beispielsweise als User-Experience- und User-Interface-Designer, UI/UX-Developer (auch oft als UI/UX-Entwickler ausgeschrieben) oder in einer artverwandten Position als UX-Researcher, Interaction Designer oder Product Designer arbeiten.
Wie viel verdienen UX/UI-Designerinnen und UX/UI-Designer? Im Bereich UI/UX-Design ist ein Jahresgehalt zwischen 42.500 € und 57.500 € brutto zu erwarten, je nach Berufserfahrung. Junior-Gehälter beginnen in der Regel bei 38.000 € pro Jahr, während Senior-UX-Designerinnen und Senior-UX-Designer bis zu 70.000 € jährlich verdienen können.
Welcher Designberuf verdient am meisten? Im Vergleich zu anderen Designberufen wie Grafikdesignern, Product Designern oder Electrical Design Engineers liegen UI/UX-Designerinnen und UI/UX-Designer im Mittelfeld. Product-Designerinnen und -Designer können ein ähnliches Gehalt erwarten, während Grafikdesignerinnen und -designer mit durchschnittlich 41.000 € im Jahr eher darunter liegen und Electrical Design Engineers mit einem Spitzengehalt von über 70.000 € jährlich deutlich darüber.
Bei der Berufswahl sollte es aber nicht nur um das erwartbare Gehalt gehen, sondern auch darum, dass du deine Stärken gezielt einsetzen kannst und Freude an deiner Arbeit hast – schließlich verbringen wir ca. ein Drittel unseres gesamten Lebens bei der Arbeit.
Dein Einstieg als UI/UX-Designer
Wie wird man UI/UX-Designerin oder UI/UX-Designer? Um im Bereich User Interface und User Experience Design Fuß zu fassen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine klassische UI/UX-Designer-Ausbildung gibt es nicht, dafür aber artverwandte Ausbildungsberufe im Bereich Mediengestaltung, digitale Kommunikation oder Grafikdesign, die den Einstieg ermöglichen.
Der typische Weg zum User-Experience- und User-Interface-Designer führt meistens über ein Studium. Entweder direkt im UX-Design oder in den Bereichen Interaktionsdesign, Kommunikationsdesign oder Medieninformatik. Der große Vorteil hierbei ist der ideale Zugang zu Praktika und Business-Netzwerken, wodurch die Chancen auf einen Einstieg in große Unternehmen steigen.
Aber auch ohne vorheriges Studium oder eine Ausbildung ist im UI/UX-Design ein Quereinstieg möglich. Viele UI/UX-Designerinnen und UI/UX-Designer haben zunächst in Bereichen wie Marketing, Psychologie, Geisteswissenschaften, IT oder Grafikdesign gearbeitet. Über eine Weiterbildung mit offizieller Abschlusszertifizierung, die die erworbenen theoretischen und praktischen Kenntnisse belegt, ist ein Einstieg ebenso gut möglich und gängig. In der Weiterbildung zur UI/UX-Designerin oder zum UI/UX-Designer von karriere tutor® lernst du beispielsweise alles, was du für einen Einstieg in dieses Berufsfeld brauchst: von den Grundlagen bis hin zu praktischen Anwendungsbeispielen und eigenen Projekten.
Alles in allem ist das UI/UX-Designer-Berufsbild für alle geeignet, die nach einer abwechslungsreichen, interdisziplinären und kreativen Aufgabe suchen. Im Berufsalltag sind analytische Kompetenzen ebenso gefragt wie Lösungsorientierung, Empathie und Kommunikationsfähigkeit, um ein funktionales und visuell ansprechendes Nutzungserlebnis zu gewährleisten.