Vero – The next big thing, oder doch nur ein kleines Fünkchen?

Social Network Vero im Test

 

Vero ist nicht das erste Social Network das einfach aus dem Nichts auftaucht. In den letzten Jahren konnten wir dieses Phänomen immer wieder beobachten, z. B. bei Ello, Path, Peach etc. Darum die berechtigte Frage: Ist Vero die nächste große Sache oder doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Unser Social-Media-Marketing-Dozent Lars Kroll hat sich die App für Sie genauer angesehen.

 

Vero: die neue Hype-App?

Wenn man es genau nimmt, ist die App nicht erst seit gestern auf dem Markt – konkret bereits seit 2015 – schafft es allerdings erst jetzt, sich auch in Europa zu etablieren. Das ist auf den ersten Blick verwundernd und erweckt den Eindruck, dass sie bereits zwei bis drei Wochen, nachdem ich sie zum ersten Mal öffnete, gefühlt auch schon wieder auf dem absteigenden Ast ist. Der ursprüngliche Hype hat sich gelegt und die Realität sagt zwar, dass es im Android-Store bereits über 1 Millionen Downloads gab, auf der Webseite allerdings wurde auch angekündigt, dass die 1 Millionen Downloads kostenlos sind. In den App-Stores hat Vero bei Android: 2,8/5 und im iOS-Store: 2,5/5 Bewertungspunkte. Eher mäßig, aber sehen wir sie uns genauer an.

Was ist Vero?

Vero selbst beschreibt sich als ein „werbefreies Social Network nur für sich selbst und seine Freunde“. Die App wurde von dem Sohn des libanesischen Premierministers, Ayman Hariri entwickelt und fühlt sich wie eine Mischung aus Pinterest, Instagram und einer Brise Facebook an, ist dabei aber werbefrei. Viele Bilder, doch auch Texte und Links sind möglich, alles lässt sich mit Orten vertaggen und auf Pinnwänden ablegen.

 

Was ist das Besondere an Vero?

Die USPs, also die Alleinstellungsmerkmale von Vero sind:

  • Dedizierte Einstellungsmöglichkeiten, an wen, man welche Inhalte teilt
  • Klare, moderne User Experience ohne Schnick-Schnack bzw. komplizierte Bedienung (wie z.B. bei Snapchat)
  • Bis dato keine Werbung
  • Ausspielung aller Inhalte, d.h. (momentan) kein Algorithmus der die Reichweite einschränkt

Eine Frage, die sich im selben Atemzug stellt: Wie finanziert sich Vero dann eigentlich? Es heißt, die App soll werbefrei bleiben, darum ist angedacht, dass die Nutzer einen Beitrag bezahlen sollen. Man geht von „ein paar Bugs im Jahr aus“. Eventuell wird Vero zusätzlich über Affiliate-Links weitere Beträge verdienen.

 

So sieht Vero aus

vero look and feel

vero im Test

Bericht über Vero

Eignet sich Vero für Unternehmen?

Die große Frage, die Unternehmen nun herumtreibt: Ist Vero das nächste große Ding und müssen wir dieses Netzwerk mit in unsere Social-Media-Strategie aufnehmen? Primär ist Vero für Privatuser gedacht und lässt hier dedizierte Rechteeinstellungen zu. Jedoch haben sich natürlich auch die ein oder anderen Unternehmen bereits an Vero herangetraut. Und auch der User versucht immer wieder auch Netzwerke zu finden, auf denen einfach mal keine Werbung stattfindet. Primär war dies z. B. auch bei Snapchat einmal so – mittlerweile kann man aber auch hier Werbung schalten, die vom User nur bedingt erwünscht ist.

Mittlerweile gibt es ca. 550 Milliarden Postings unter dem Hashtag #Vero auf Instagram – hier scheinen einige Nutzer und auch Unternehmen mit der Einschränkung durch Instagrams Algorithmus unzufrieden. Genau deshalb könnte Vero also für Unternehmen durchaus eine interessante Option sein, User jenseits der etablierten Plattformen zu erreichen.

 

Weitere Statements zu Vero aus der Online-Community

Viele Menschen haben sich bereits eine Meinung über Vero gebildet und tun diese öffentlich kund. So fragt sich Martin Hoffmann auf Twitter beispielsweise, wie es Vero so schnell gelingen konnte, „nach Jahren in der Bedeutungslosigkeit innerhalb kürzester Zeit im App-Store nach ganz oben“ zu schießen.

Das Netzfeuilleton widmet der App sogar einen ausführlichen Bericht, der die Hintergründe von Vero beleuchtet. Wiederum andere fragen sich, warum wir eigentlich über Vero sprechen oder bemängeln dessen mangelnde Innovationen.

 

Mein persönliches Fazit zu Vero

Leider sind die Hintergründe der Erfinder für mich nicht gerade vertrauenserweckend (t3n berichtete hier genauer darüber) – sodass für mich der erste Eindruck gewissermaßen vorbelastet ist. Des Weiteren ist, ich erwähnte es bereits, die Nutzung gefühlt zurückgegangen und die aktive Nutzergruppe lässt sich für mich nicht genau einordnen: Primär scheinen es Privatpersonen, vereinzelt auch Unternehmen, vermutlich vorzugsweise aus dem Medienumfeld, zu sein. Eine klare Nutzerstruktur fehlt mir hier.

Sowohl Look and Feel als auch die Privatsphäre-Einstellungen sind super umgesetzt und machen Spaß bei der Nutzung. Ob diese Punkte jedoch ausreichen, ein neues Netzwerk zu etablieren, ist fraglich. Darum werde ich Vero zunächst weiter kritisch beobachten und rate Unternehmen erst einmal dazu ihre „Hausaufgaben“ auf den etablierten Social Networks zu erledigen: regelmäßige Inhalte, Nutzung von Werbeanzeigen, Kommunikation mit der Community und sinnvolle Einbindung in den gesamten Online-Marketing-Mix. Dann können Sie Ihre Kunden erreichen und getrost abwarten, in welche Richtung sich Vero künftig entwickeln wird.