Wer bekommt eine Umschulung vom Arbeitsamt: 3 förderfähige Situationen für Nicht-Arbeitslose

Wer bekommt eine Umschulung vom Arbeitsamt: 3 förderfähige Situationen

 

Bekommen nur Arbeitslose eine Umschulung vom Arbeitsamt bewilligt? Mitnichten! Wer auch ohne arbeitslos zu sein einen Anspruch auf eine Umschulung der Arbeitsagentur hat, erklären wir anhand drei typischer Situationen.

Wer hat einen Anspruch auf eine Umschulung vom Arbeitsamt?
Eine Umschulung vom Arbeitsamt, oder wie es die Bundesagentur für Arbeit selbst ausdrückt, eine Fördermaßnahme der beruflichen Weiterbildung, hat immer ein Ziel: Menschen im Arbeitsleben halten oder diese wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diese Förderung können nicht nur Arbeitslose beantragen, sondern auch Menschen, deren Stelle gefährdet ist. Oder Personen, die sich aufgrund einer Krankheit beruflich neu orientieren müssen.

Maßnahmen, die dabei unterstützen:

  • fehlende Berufsabschlüsse nachzuholen
  • notwendige Zertifizierungen zu absolvieren
  • die berufliche Position zu sichern
  • eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden
  • sich wegen Krankheit beruflich neu zu orientieren

 

sind förderfähig. Wer hier bestimme Voraussetzungen erfüllt, hat die Chance auf eine kostenlose Weiterbildung, die vom Arbeitsamt bezahlt wird. Das Arbeitsamt stellt in diesem Fall einen Bildungsgutschein oder eine andere Förderung aus und übernimmt bzw. beteiligt sich an den Weiterbildungskosten. Welche Voraussetzungen es konkret gibt und wie Sie Ihren Antrag auf einen Bildungsgutschein erfolgreich stellen können, haben wir an anderer Stelle im Blog ausführlich beschrieben. Sie gelangen hier direkt zu den Profitipps zur geförderten Weiterbildung.

 

Wie sieht die Umschulung vom Arbeitsamt aus?

Eine Umschulung vom Arbeitsamt kann in Form von Kursen an der Abendschule, als Online-Weiterbildung, als Coaching oder komplette Ausbildungen erfolgen. Je nachdem welche Situation der Antragsteller hat, entscheidet das Amt individuell, welche Förderung hier sinnvoll ist. Die bekanntesten Fördermaßnahmen sind diese:

 

  • Bildungsgutschein
  • Weiterbildungsprämie
  • Weiterbildungsscheck

 

 

Ausführliche Informationen zu diesen und weiteren Fördermöglichkeiten listet die Agentur für Arbeit auf dieser Seite auf. Das Prinzip ist dabei immer gleich: Die Kosten der Maßnahme werden übernommen – das kann komplett oder anteilig geschehen. Die während der Maßnahme erworbene Qualifikation sichert schließlich den Erhalt der Stelle, verbessert das berufliche Profil, um bei Bewerbungen mehr Chancen zu haben, oder ermöglicht eine berufliche Neuorientierung. Beispiele für konkrete Situationen, in denen eine Umschulung vom Arbeitsamt auch ohne bestehende Arbeitslosigkeit bewilligt werden kann, nennen wir Ihnen im Folgenden.

 

Mann mit Laptop und Kaffee

 

Beispiel 1: Leon, 26, Gelegenheitsjobber

Leon ist ein junger und engagierter Mann. Doch er hat keinen Berufsabschluss und schlägt sich mehr schlecht als recht durch. Einen Schulabschluss hat er zwar noch gemacht, die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker dann aber bereits im ersten Jahr geschmissen. Heute findet er das dumm und blickt reumütig auf diese Entscheidung zurück. Um aber über die Runden zu kommen, jobbt er nun bei mehreren Firmen, ist als Aushilfsfahrer, Verkaufshilfe und als Barkeeper tätig. Er würde gerne eine Berufsausbildung machen, käme mit dem geringen Azubi-Gehalt aber nicht über die Runden. Was also tun?

Für Menschen wie Leon gibt es eine Umschulung vom Arbeitsamt, die gezielt aus dieser Situation helfen soll. Mit der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) der Bundesagentur für Arbeit werden Menschen ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung gefördert. Ausschließlich die erste Ausbildung ist hierbei förderfähig, dafür bekommt Leon nach seiner Bewilligung aber nicht nur das Gehalt seines Ausbilders, sondern zusätzliche Zuschüsse zum Lebensunterhalt. Konkret erhält er Geld in Form einer Mietpauschale, Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte und seinen Bedarf für die Arbeitskleidung vom Amt. Er war weder arbeitslos, noch von einer Arbeitslosigkeit bedroht – trotzdem kann er eine Umschulung vom Arbeitsamt beantragen, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt langfristig zu sichern.

 

Beispiel 2: Marianne, 48, Bürohilfe

Auch Menschen, die zwar eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, aber nicht mehr in diesem Beruf arbeiten können, kommen in den Genuss einer Förderung. So ein Beispiel ist der Fall von Marianne. Marianne ist gelernte Altenpflegerin, kann aber aufgrund mehrerer Bandscheibenvorfälle nicht mehr in der Pflege arbeiten. Aus gesundheitlichen Gründen arbeitet sie nun als Bürohilfe. Sie ist also nicht arbeitslos, bekommt aber ohne kaufmännische Ausbildung keine Festanstellung in einer soliden Position. Weil Sie sich aufgrund ihrer Erkrankung langfristig beruflich umorientieren muss, nimmt sie Kontakt zu Ihrem Berater bei der Agentur für Arbeit auf. Dieser prüft, ob eine Umschulung vom Arbeitsamt möglich ist oder vielleicht ein anderer Kostenträger, beispielsweise die Deutsche Rentenversicherung, zuständig ist. Welche Umschulung bietet das Arbeitsamt Marianne letztlich an? Möglich sind hier verschiedene Wege. So könnte sie beispielsweise einen klassischen Bildungsgutschein bekommen und mit diesem einen wichtigen Lehrgang absolvieren, der ihr noch fehlende Bürokenntnisse vermittelt. Aber auch ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein vom Arbeitsamt wäre hier möglich und zu prüfen.

 

Beispiel 3: Walter, 62, IT-Leiter

Im Fall von Walter ist die Arbeitslosigkeit bereits abzusehen, denn er hat von seinem Vorgesetzten erfahren, dass er in den nächsten Wochen freigestellt wird. Viele Jahre war er als IT-Leiter in einer Führungsposition tätig. Doch im Rahmen einer Umstrukturierung wird Walters Stelle zwar noch existieren, aber nicht mehr von ihm besetzt werden können. Grund dafür ist ein fehlendes Zertifikat, das die neue Unternehmensleitung für Führungskräfte in der IT zwingend voraussetzt. In Walters Fall geht es um eine SAP-Zertifizierung, die das Unternehmen aber selbst nicht zahlen möchte. Damit Walter seine Stelle behalten kann und weder arbeitslos wird, noch auf eine niedrigere Stelle wechseln muss, bittet er um Unterstützung vom Arbeitsamt. Er erhält in diesem Fall keine klassische Umschulung im Sinne einer beruflichen Neuorientierung, wie es bei Marianne der Fall war, sondern eine Weiterbildung, die ihm dabei hilft, seine Stelle zu halten und nicht arbeitslos zu werden. Gerade für ältere Arbeitnehmer sind Förderungen und Umschulungen vom Arbeitsamt eine der besten Möglichkeiten die drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, noch bevor sie einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen. Einer unserer ehemaligen Teilnehmer hat dies selbst erlebt und berichtete im Interview von seinem Erfolgsweg dank der Umschulung vom Arbeitsamt. Ein fehlendes Zertifikat muss also kein Grund sein, arbeitslos zu werden.

 

Umschulen = Zukunft sichern!

Was auch immer Ihnen beruflich widerfährt – sei es eine Umstrukturierungswelle, die Sie den Job kosten soll oder die Tatsache, den Job wegen Krankheit aufgeben zu müssen: Holen Sie sich Unterstützung! Suchen Sie aktiv den Kontakt zum Jobcenter und erkundigen Sie sich, ob Sie in Ihrer Situation eine Umschulung vom Arbeitsamt beantragen können. Und sollte diese wider Erwarten abgelehnt werden, finden Sie auf unserer Serviceseite hilfreiche Informationen zu weiteren Fördermöglichkeiten.

 

 

 

Oliver Herbig hat auf dem Gebiet berufliche Weiterbildung mit Schwerpunkt Management und IT in Geschäftsführer- und Vorstandspositionen über 15 Jahre Erfahrung. Profitieren Sie mit karriere tutor® von seinem Wissen und machen Sie sich fit für den nächsten Karriereschritt.