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    Bewerbung und Jobsuche | 5 Min. Lesezeit

    Anruf vor der Bewerbung: Welche Fragen sollte ich stellen?

    Autorbild von karriere tutor® Verfasst durch karriere tutor®

    Digitalisierung-Recruiting

    Wenn du dich auf eine neue Stelle bewirbst, kann ein Erstanruf vor der eigentlichen Bewerbung deine Chancen enorm steigern. Wir haben unseren Karriereexperten Martin Saidi um seine Einschätzung gebeten, welche Fragen du beim Erstanruf stellen kannst und wann der beste Zeitpunkt für ein solches Telefonat ist. Lies in diesem Artikel seine Antworten und Tipps.

    Ist ein Anruf vor der Bewerbung sinnvoll?

    Wenn du es richtig angehst, hat ein Erstanruf vor dem Abschicken der Bewerbung viele Vorteile. Unser Experte Martin Saidi, der als Führungskraft bereits zahlreiche Vorstellungsgespräche mit Bewerbern geführt hat und darüber hinaus die Kursteilnehmer bei karriere tutor® sowie unsere Webinar-Teilnehmer rund um die Bewerbung coacht, nennt folgende:

    • Erster persönlicher Eindruck: Dein Ansprechpartner, der Recruiter des Unternehmens, bekommt einen ersten persönlichen Eindruck von dir.
    • Aus der Masse herausstechen: Du hebst dich von anderen Bewerbern ab und machst dich und deinen Namen erinnerbar. Ein Vorteil, wenn es an die Auswahl der Personen geht, die zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden sollen.
    • Interesse verdeutlichen: Mit einem Anruf zeigst du, dass du wirklich an der ausgeschriebenen Stelle interessiert bist, und beweist Engagement.
    • Anschreiben verbessern: Wenn du ein telefonisches Vorgespräch führst, kannst du im Bewerbungsschreiben darauf Bezug nehmen. Das macht dein Anschreiben individuell und hebt es aus der Masse hervor.
    • Chancen erhöhen: Im Telefonat hast du die Möglichkeit herauszufinden, welche Kriterien dem Unternehmen besonders wichtig sind, und kannst deine Eignung dafür in der nachfolgenden schriftlichen Bewerbung besonders betonen.

    Doch eine Sache solltest du unbedingt beachten: „Rufe nicht unvorbereitet an, sondern bereite das Gespräch wie ein Interview vor“, rät Martin Saidi. Denn, wenn du als Bewerber schlecht vorbereitet bist und unnötige Fragen stellst, kann der gut gemeinte Ansatz schnell ins Gegenteil umschlagen und dir mehr schaden als nützen. Wenn du am Telefon unkonzentriert wirkst und nicht klar erkennen lässt, was Sinn und Zweck des Anrufs ist, läufst du Gefahr, als Bewerber ausgeschlossen zu werden.

    Fünf gute Fragen für den Anruf vor der Bewerbung

    Wenn du bei deinem potenziellen neuen Arbeitgeber anrufst und lediglich erzählst, dass du einfach mal ins Gespräch kommen wolltest, verspielst du das große Potenzial, das in dieser Aktion liegt. Du läufst Gefahr, als Zeiträuber abgestempelt und gleich aus dem Pool möglicher neuer Mitarbeiter aussortiert zu werden. Martin Saidi rät deshalb dazu:

    „Vorbereitung ist wirklich die halbe Miete. Leg dir deine Fragen vorher zurecht und hab sie während des Gesprächs zur Hand.“

    Doch welche Fragen solltest du stellen? Die folgenden fünf Fragen für den Anruf vor der Bewerbung können dir weiterhelfen:

    1. Ist die Ausschreibung noch aktuell?

    Wenn du dich auf eine Stelle bewerben möchtest, die schon vor einigen Wochen oder gar Monaten ausgeschrieben wurde, ist diese Nachfrage absolut legitim. Du bekundest damit Interesse und ersparst dir selbst, eine Bewerbung für eine längst vergebene Stelle vorzubereiten.

    1. Welche der genannten Qualifikationen sind Ihnen besonders wichtig?

    „Stellenanzeigen beschreiben oft die eierlegende Wollmilchsau. Deshalb lohnt es sich, aus den vielen möglichen Qualifikationen die wirklich wesentlichen herauszufinden“, so der Experte. „Frag beispielsweise ganz konkret nach, welche der genannten Qualifikationen die wichtigsten sind“. Diese Frage bekundet tiefergehendes Interesse und erleichtert es dir, eine passende Bewerbung zu schreiben.

    1. Welcher Persönlichkeitstyp wird im Team gebraucht und was ist Ihnen bei der Besetzung der Stelle sonst noch wichtig?

    Erfrage, welche Kenntnisse oder sonstigen Qualifikationen für die Stelle förderlich sind. Unternehmen suchen nicht nur nach fachlicher Expertise, sondern auch nach persönlicher Eignung und sanften Faktoren wie Loyalität oder Empathie. Daher gilt es für dich herauszufinden, auf welche Soft Skills das Unternehmen Wert legt. „Bewerber, die gezielt danach fragen, welcher Persönlichkeitstyp das Team am besten bereichern kann, beweisen damit Engagement, das immer gerne gesehen ist. Und nicht nur das. Du erhältst wichtige Informationen über Themen, die du nun viel besser vorbereiten kannst“, erklärt Martin Saidi.

    1. Eigne ich mich trotz einer fehlenden Qualifikation für diese Stelle?

    Auch wenn du nicht alle Qualifikationen mitbringst, die in der Stellenanzeige beschrieben werden, kannst du punkten. Wenn du konkret nachhakst, ob du geeignet bist, auch wenn der eine oder andere Punkt nicht zutrifft, zeigst du Hartnäckigkeit und Motivation. Zwei Stärken, die sehr gerne gesehen sind. Tipp: Betone, dass du gerne bereit bist, dich weiterzubilden und die gewünschte Qualifikation nachzuholen.

    1. Liege ich mit meiner Gehaltsvorstellung in Ihrer Spannbreite?

    Detailfragen – wie die nach der genauen Anzahl der Urlaubstage und dem ganz konkret zu erwartenden Gehalt – sind im Erstanruf fehl am Platz. „Wenn jedoch in der Stellenanzeige ausdrücklich die Angabe deiner Gehaltsvorstellungen verlangt wird, ist es völlig in Ordnung, wenn du fragst, ob deine Gehaltsvorstellung im angedachten Budgetrahmen des Unternehmens liegt“, so Martin Saidi.

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    Anrufe richtig vorbereiten

    Wie bereits angeklungen, ist die Vorbereitung auf den Anruf vor der Bewerbung die halbe Miete. Im Folgenden geben wir dir noch einige Extratipps vom Karrierecoach mit auf den Weg. Erfahre, wie du dich gezielt vorbereiten kannst und was du dabei unbedingt beachten solltest.

    • Den richtigen Zeitpunkt wählen

    Wählen einen Zeitpunkt direkt nach der Mittagspause oder am frühen Nachmittag, denn hier ist die Chance, einen aufmerksamen und geduldigen Gesprächspartner zu finden, am höchsten. Martin Saidi erklärt, warum. „Früh am Morgen sind wir produktiv und haben unseren Fokus auf den To-dos des Tages. Nachmittags sind die wichtigsten Dinge erledigt und die meisten Menschen haben mehr Ruhe für ein Gespräch.“ Nutze diesen Umstand, um nicht gleich nach dem ersten Satz abgewimmelt zu werden, weil dein Gegenüber keine Zeit hat.

    • Argumentationskette vorab überlegen

     „Baue das Gespräch logisch auf“, rät Martin Saidi. Wer anruft und nach dem ersten Satz keinen logischen Anknüpfungspunkt hat, wirkt desinteressiert.

    • Höflichkeitsetikette einhalten

    Oftmals, gerade in angespannten Situationen vernachlässigt, in der Praxis aber enorm wichtig, ist ein höflicher Umgangston. „Lasse den anderen ausreden und gehe auf dessen Antworten ein“, rät Martin Saidi. Denn dadurch ist es möglich, in ein wirklich tiefes Gespräch zu gelangen und nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. 

    Anruf vor einer Initiativbewerbung ?

    Bei einer Initiativbewerbung bewirbst du dich nicht auf eine ausgeschriebene Stelle, sondern empfiehlst dich selbst als potenziellen Mitarbeiter, ohne ein Gesuch zu kennen. Diese Art der Bewerbung kann sehr vielversprechend sein, jedoch solltest du von einem Anruf vorab in der Personalabteilung eher absehen.

    Der Experte empfiehlt stattdessen eine andere Vorgehensweise: „Bringe dich zunächst ins Blickfeld der Entscheider, z. B., indem du dich in einem beruflichen Netzwerk wie XING oder LinkedIn miteinander vernetzt. Ist eine erste Verbindung da, kannst du dich nach einer Weile erkundigen, ob du deine Expertise ins Unternehmen einbringen kannst. Im besten Fall passiert dies aber umgekehrt: Der Recruiter hat dich durch die Vernetzung auf dem Schirm und kommt vor einer neuen Ausschreibung direkt auf dich zu.“

    Anruf nutzen

    Nutze die Vorteile des Anrufs vor der schriftlichen Bewerbung, um deine Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch  zu erhöhen. Rufe aber nur an, wenn du die Stelle unbedingt haben willst und du dich gut darauf vorbereitet hast. Viel Erfolg dabei!

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