Bewerbung und Jobsuche | 6 Min. Lesezeit

Der Bewerbungsprozess: Diese 6 größten Fehler solltest du vermeiden

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Fallen-Bewerbungsprozess

Du bewirbst dich gerade aktiv auf eine neue Stelle? Oder planst deinen nächsten Karriereschritt? Gut, dass du dich vorher über den Ablauf eines Bewerbungsprozesses informierst. Denn so kannst du die größten Patzer bestimmt vermeiden.

Ablauf des Bewerbungsprozesses: fehlerfrei zum Traumjob

Ja, es ist wirklich so: Normalerweise läuft ein Bewerbungsprozess in sechs Schritten ab. Jede dieser Phasen hält einige Herausforderungen für dich bereit – und damit mögliche Fehlerquellen, die dir am Ende eine Absage einbringen können.

Damit dir das nicht passiert, gibt dir Helene Trogisch, unsere Dozentin für Bewerbercoaching, Tipps, wie du die sechs größten Fehler im Bewerbungsprozess vermeiden kannst:

Schritt 1 im Bewerbungsprozess: die Selbstreflexion

In dieser Phase denkst du am besten erst mal intensiv über einige W-Fragen nach:

  • Was kann ich?
    Analysiere die Fähigkeiten und Talente, die für deine Traumstelle wichtig sind.
  • Was will ich?
    Überlege dir genau, was du von deinem neuen Job erwartest.
  • Was will ich nicht?
    Wäge ab, welche Dinge für dich in einem neuen Job auf keinen Fall infrage kommen.
  • Welche Werte habe ich?
    Bestimme die Dinge, die dir über die harten Fakten wie Gehalt und Sozialleistungen hinaus bei deiner Bewerbung wichtig sind.
  • Wie lauten meine Ziele?
    Lege fest, wo auf der Karriereleiter du in fünf Jahren sein willst – und in zehn.
  • Was motiviert mich?
    Definiere, was dich morgens gut gelaunt zur Arbeit gehen lässt.

Es hilft dir bestimmt, wenn du die Ergebnisse deiner Überlegungen aufschreibst. Stichworte reichen meistens – denn sie helfen dir, dich im Bewerbungsprozess an deine Gedanken im Detail zu erinnern.

Der erste Fehler: die Selbstreflexion überspringen

Ja, jetzt staunst du – aber es gibt tatsächlich viele Menschen, die sich keine Gedanken über sich und ihre Ziele machen. Mit dem Resultat, dass sie nicht genau wissen, warum sie sich eigentlich auf einen bestimmten Job bewerben. Und genau das finden Personaler schnell heraus! Doch selbstbewusst handeln kann nur eine Person, die genau weiß, was sie kann und will. Du siehst: Ein genauer Plan und das damit einhergehende Selbstbewusstsein sind sehr wichtig, damit du mit deiner Bewerbung Erfolg hast!

Schritt 2: die Recherche

Es gibt zahlreiche Internetportale, die spezialisiert sind auf Stellenanzeigen – hier wirst du bestimmt fündig. Doch es gibt auch noch andere Wege, DIE Stellenanzeige für deinen Traumjob zu entdecken und den Bewerbungsprozess zu starten:

  • Die Social-Media-Auftritte von Unternehmen, für die du gerne arbeiten möchtest. Es könnte sich für dich lohnen, mal auf XING, LinkedIn, Facebook oder Instagram nachzusehen, welche Positionen dort aktuell ausgeschrieben sind.
  • Zeitungen aus deiner Region. Manche Firmen schalten auch heute noch Anzeigen in den Tageszeitungen vor Ort – besonders dann, wenn sie lokal verwurzelt sind und die Presse mit ihren Anzeigen finanziell unterstützen möchten.
  • Empfehlungen. Frage mal in deinem Freundes- und Bekanntenkreis nach, ob sie wissen, wo eine zu dir passende Stelle ausgeschrieben sein könnte. Vielleicht kann dich sogar jemand persönlich empfehlen?

Wichtig ist aber, dass du bei der Recherche auf Genauigkeit achtest – und weit über die eigentliche Stelle hinausdenkst. Denn so vermeidest du diesen Fehler:

Der zweite Fehler: nicht genau nachdenken

Eine Absage bekommst du ziemlich sicher, wenn dein Profil nicht zu mindestens 70 % mit der Stellenausschreibung übereinstimmt – bei den Kernaufgaben sind sogar 100 % nötig! Hier solltest du also genau überlegen, ob die Stelle wirklich zu dir und deinen Fähigkeiten passt.

Doch damit nicht genug: Passt die Unternehmenskultur auch zu dir? Ist das Unternehmen eher klassisch-traditionell aufgestellt? Ist es ein weltweit agierender Konzern oder gehört es zum familiengeführten Mittelstand? Oder annonciert da ein hippes Start-up?

Und wusstest du, dass fehlende Sympathie der dritthäufigste Grund für das Scheitern einer Bewerbung ist? Kein Wunder also, dass Anpassungsfähigkeit neben der Kommunikationsstärke der am häufigsten gesuchte Soft Skill ist. Du solltest also genau wissen, ob die sprichwörtliche „gute Chemie“ zwischen dir und dem Unternehmen möglich ist.

Schritt 3 im Bewerbungsprozess : die Bewerbungsunterlagen

Hier ist Sorgfalt gefragt: Je genauer du im Bewerbungsprozess deine Bewerbungsunterlagen an das Unternehmen anpasst, desto größer sind deine Chancen auf Erfolg. Schließlich sollt ihr zwei – also du und die Firma – zum echten Dream-Team werden! Personaler sehen also ganz genau hin, ob du die Stellenanzeige wirklich gelesen hast. Und ob du dir mit deinen Bewerbungsunterlagen Mühe gegeben hast. Achte also darauf, dass sich die fachlichen Eignungen, die für die Stelle nötig sind, sowohl im Lebenslauf als auch im Anschreiben wiederfinden.

Der dritte Fehler: Bewerbungsunterlagen nicht individuell anpassen

Du glaubst gar nicht, wie viele Leute den immer gleichen Lebenslauf und Wort für Wort identische Anschreiben verschicken – in Massen an x verschiedene Firmen. Das ist sehr schade, denn diese Menschen verschenken sehr viel Potenzial für das Selbstmarketing!

Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer, eine individuelle Bewerbung zu schreiben, sagt Helene Trogisch: „Am besten analysierst du die Stellenanzeige genau und notierst dir jede Anforderung, die erwähnt wird. Dann überlegst du dir, welche deiner Erfahrungen und Kompetenzen zu diesen Anforderungen passen. Nun kannst du deinen CV danach aufbauen und dich sogar in der Wortwahl am Unternehmen orientieren!“

Schritt 4: das Bewerbungsgespräch

Gratulation, du bist zum Vorstellungsgespräch eingeladen! Damit bist du schon einen sehr großen Schritt weiter im Ablauf des Bewerbungsprozesses für deine Wunschstelle. Wichtig ist jetzt, dass du dir alle Punkte aus den ersten drei Schritten noch einmal in Erinnerung rufst. Und dir überlegst, welche Fragen dir gestellt werden könnten. Wenn du dein Bewerbungsgespräch schon mehrmals in Gedanken durchgespielt hast, kann dich eigentlich keine Frage mehr so richtig überraschen. Und du musst auf die Frage „Haben Sie noch Fragen?“ nicht mit Nein antworten – denn dann bist du meistens raus.

Du bist extrem aufgeregt vor dem Vorstellungsgespräch? Ruhig Blut, auch in diesem Fall kann dir Helene Trogisch mit ein paar Tipps helfen. Und was Personaler in einem Vorstellungsgespräch so richtig nervt, kannst du hier nachlesen.

Der vierte Fehler: im Bewerbungsgespräch schlecht vorbereitet sein

Kaum etwas nervt Personaler mehr als eine Person, die schlecht vorbereitet in ein Vorstellungsgespräch geht – denn das kostet einfach nur wertvolle Zeit. Überlege dir vorher also genau, wie du zum Beispiel die Frage nach dem Gehalt beantwortest. Oder die Lücke in deinem Lebenslauf erklärst. Oder deine Kündigung begründest.

Außerdem solltest du an deinem Mindset arbeiten: Denn wenn du dir zum Beispiel wenig Erfolgsaussichten ausmalst, spiegelt sich das in deiner Körpersprache und Rhetorik wider. Und das hilft dir nicht, einen guten ersten Eindruck in der HR-Abteilung zu hinterlassen!

Schritt 5: das Gehalt angeben

Puh, die Frage nach dem Geld ist eine der schwierigsten überhaupt im gesamten Bewerbungsprozess. Setzt du deine Gehaltsvorstellung zu niedrig an, könnten die HRler denken, du weißt nicht, was du wert bist. Und du wirst unter Umständen jahrelang hinter den Gehältern der Kollegen hinterherhumpeln. Forderst du aber zu viel Gehalt, denken sie, du überschätzt dich sehr! So oder so zeigst du, dass du dir nicht genug Mühe gegeben hast mit der Recherche eines passenden Gehalts. Kein Wunder also, dass bis zu 97 % aller Bewerbungen an diesem Punkt scheitern!

Der fünfte Fehler: zu hoch pokern

In Sachen Gehaltsvorstellung ist vor allem eins gefragt: eine genaue Einschätzung der Realität. In den Jobportalen findest du daher genaue finanzielle Einstufungen verschiedener Positionen, die dir dabei helfen, deinen Gehaltswunsch festzulegen. ACHTUNG: Erfahrungsgemäß ist die gleiche Position bei einem Global Player besser bezahlt als bei einem Start-up. Und Unternehmen in den großen Städten zahlen oft auch mehr als die auf dem Land – klar, in den Ballungsgebieten sind die Lebensunterhaltungskosten meist. Bitte beziehe solche Punkte also unbedingt mit ein, wenn du über deine Gehaltsangabe nachdenkst.

Schritt 6: nach dem Gespräch

„Hey, ich war so gut im Gespräch – die rufen mich bestimmt an und geben mir den Job!“ Wenn du so denkst, mangelt es dir nicht an Selbstbewusstsein. Besser ist aber, wenn du auch nach dem Bewerbungsgespräch Interesse zeigst. Denn damit verhinderst du den letzten Fehler im Bewerbungsprozess:

Der sechste Fehler: passiv sein

Eins vorab: Auch HRler sind nur Menschen. Es kann also sein, dass ihnen im stressigen Alltag in der Personalabteilung auch mal etwas durch die Lappen geht. Deswegen solltest du am Tag nach dem Gespräch eine E-Mail schreiben und dich für das tolle Gespräch bedanken. So bringst du dich gleich wieder in Erinnerung. Du hast nun noch mehr Lust auf den Job? Dann schreibe auch das in die E-Mail hinein.

Und wenn du nach ein paar Tagen keine Antwort bekommen hast, darfst du auch ruhig nachfragen. Doch wenn du jeden Tag anrufst, gehst du den Personalern auch ganz schnell auf die Nerven. Hier ist also Fingerspitzengefühl gefragt.

Du möchtest mehr wissen über Bewerbungen im Jahr 2021? In diesem Beitrag haben wir alles gesammelt, was aktuell wichtig ist, wenn du dich bewirbst.

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