Ob Elternzeit, gesundheitliche Herausforderungen, Arbeitslosigkeit oder die Pflege von Angehörigen – eine längere berufliche Auszeit kann viele Gründe haben. Doch irgendwann steht fast jeder einmal vor der Frage, wie es nach einer beruflichen Pause weitergehen soll. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben ist oft mit Unsicherheiten verbunden: Fachwissen ist veraltet, man hat den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen verloren, der Rhythmus des Arbeitsalltags fehlt. Der Weg zurück in den Job kann sich wie eine große Hürde anfühlen.
Dabei ist es wichtig, zu wissen, wie du den Wiedereinstieg in den Beruf mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung meisterst. In diesem Artikel zeigen wir dir, welche Schritte dir dabei helfen, und geben dir wertvolle Tipps, um erfolgreich wieder in den Beruf einzusteigen und den Übergang gut zu gestalten.
Beruflicher Wiedereinstieg
Was sind die Gründe für eine berufliche Auszeit?
Ein beruflicher Wiedereinstieg beschreibt die Rückkehr nach einer langen Unterbrechung. Hier geht es nicht um wenige Wochen Urlaub im Jahr, sondern um mehrere Monate oder gar Jahre ohne berufliche Tätigkeit. Für solch eine längere berufliche Unterbrechung kann es viele Gründe geben.
Die häufigsten Gründe für eine berufliche Auszeit sind:
- Elternzeit: Vor allem Eltern – und hier besonders Mütter – bilden eine zentrale Gruppe, wenn es um das Thema beruflicher Wiedereinstieg geht. Viele Frauen unterbrechen ihre Karriere während der Schwangerschaft, dem Mutterschutz und der anschließenden Elternzeit oft für mehrere Jahre, bevor sie den Weg zurück in den Beruf suchen.
- Arbeitslosigkeit: Auch eine längere Phase der Arbeitslosigkeit kann zu einer unfreiwilligen Auszeit führen. Wenn nach vielen Monaten ohne Anstellung endlich der Neustart gelingt, ist das ebenfalls ein klassischer Fall von beruflicher Wiedereinstieg.
- Sabbatical: Ein Sabbatical ist eine bewusst gewählte berufliche Auszeit z. B. für Reisen, Weiterbildung, persönliche Projekte oder zur Erholung vom Arbeitsalltag. Auch wenn der Ausstieg freiwillig erfolgt, braucht es am Ende einen durchdachten Weg zurück ins Berufsleben.
- Krankheit: Längere Krankheitsphasen können Menschen über Wochen oder Monate aus dem Berufsleben reißen. Ist die Genesung geschafft, steht häufig nicht nur der Wiedereinstieg, sondern mitunter auch eine berufliche Neuorientierung an – je nach körperlicher und psychischer Belastbarkeit.
- Pflege von Angehörigen: Wer sich intensiv um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmert, muss beruflich oft eine Pause einlegen. Diese Verantwortung kann Monate oder gar Jahre in Anspruch nehmen. Der spätere Wiedereinstieg verlangt dann nicht nur Organisation, sondern oft auch emotionale Stärke.
- Berufliche Neuorientierung oder Umschulung: Manche Menschen nutzen eine Auszeit bewusst, um sich beruflich neu zu orientieren oder eine Umschulung zu absolvieren. Der Einstieg in ein neues Berufsfeld ist ebenfalls ein bedeutender Schritt zurück in die Arbeitswelt – oft mit völlig neuen Herausforderungen und Chancen.
Du siehst: Die Ausgangssituationen und Gründe für eine berufliche Auszeit sind vielfältig. Daher gibt es kein allgemeingültiges Erfolgsrezept für den Wiedereinstieg. Je nach Situation und persönlichen Lebensumständen gestaltet sich dein Weg zurück in den Beruf individuell. Wichtig ist nur, dass du es überhaupt versuchst.
Die richtige Einstellung zum Wiedereinstieg
Der Wiedereinstieg ins Berufsleben ist ein bedeutender Schritt. Zum einen hilft er dabei, deine eigene finanzielle Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Das ist ein wichtiger Faktor für Selbstvertrauen und Stabilität. Zum anderen bietet dir die Rückkehr in den Job die Chance, vorhandene Kompetenzen aufzufrischen, neue Fähigkeiten zu erwerben und deine berufliche Entwicklung gezielt voranzutreiben. Darüber hinaus stärkt die Rückkehr ins Arbeitsleben auch dein soziales Umfeld, denn der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen fördert Vernetzung, Teamgefühl und Motivation. Nicht zuletzt sendet ein gelungener beruflicher Wiedereinstieg ein starkes Signal an potenzielle Arbeitgebende: Er zeigt, dass du engagiert, lernbereit und belastbar bist.
Gleichzeitig gilt: Ganz gleich, warum die berufliche Pause nötig war – ein Wiedereinstieg ist selten einfach. Eine zentrale Rolle spielt dabei deine innere Haltung. Wenn du von vornherein davon überzeugt bist, ohnehin keine passende Stelle zu finden von der alten Arbeitgeberin bzw. dem alten Arbeitgeber bereits abgeschrieben zu sein, bremst du dich selbst aus. Zuversicht und Selbstbewusstsein sind entscheidende Voraussetzungen, um den Neustart erfolgreich zu gestalten.
Auch deine innere Einstellung ist wichtig: Wenn du mit den Gedanken noch zu sehr in deiner Auszeit steckst, wird der Wiedereinstieg schwieriger. Nimm dir Zeit, dir bewusst zu machen, wo du gerade stehst, was du möchtest und was du brauchst, um motiviert voranzugehen.
Das richtige Mindset für deinen Wiedereinstieg
- Betrachte die Auszeit nicht als Schwäche: Eine berufliche Pause bedeutet nicht, dass du weniger wert bist. Deine Erfahrungen bleiben genauso wie deine Fähigkeiten. Sprich mit Stolz über das, was du kannst.
- Vergleiche dich nicht mit anderen: Jeder Lebensweg ist individuell. Wenn du dich ständig mit anderen misst, verlierst du leicht den Blick für die eigenen Stärken. Konzentriere dich auf deine persönliche Situation und deinen eigenen Weg.
- Erkenne dein Potenzial: Du bringst bereits Berufserfahrung mit und das ist ein wertvoller Vorteil. Ob bei der alten Arbeitgeberin bzw. beim alten Arbeitgeber oder in einer neuen Position: Deine Kenntnisse können einen echten Mehrwert bieten.
- Übernimm Verantwortung: Der Erfolg deines Wiedereinstiegs hängt nicht vom Zufall ab. Es liegt an dir, aktiv zu werden, Entscheidungen zu treffen und Schritt für Schritt voranzugehen.
- Glaube an deine Entwicklung: Du hast dich während deiner Auszeit weiterentwickelt – persönlich und vielleicht auch fachlich. Vertraue darauf, dass du bereit bist für den nächsten Abschnitt in deinem Berufsleben.
So gelingt der Wiedereinstieg ins Berufsleben: 5 Tipps für deinen erfolgreichen Neustart
Egal, warum du eine berufliche Pause eingelegt hast – sei es durch Elternzeit, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder andere Gründe – , der Wiedereinstieg ins Berufsleben bringt viele Herausforderungen, aber auch viele Chancen mit sich. Mit guter Planung, klaren Zielen und der richtigen Einstellung kannst du deinen Wiedereinstieg gezielt und selbstbewusst angehen.
Im Folgenden zeigen wir dir fünf zentrale Schritte, die dir helfen, deinen Weg zurück in den Job erfolgreich zu gestalten.
1. Rahmenbedingungen klären und Ziele setzen
Bevor du dich aktiv auf Stellensuche begibst, ist es wichtig, deine individuellen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären. Wenn du nach der Elternzeit wieder in deinen alten Job zurückkehrst, hast du ganz andere Rahmenbedingungen als bei einem Wiedereinstieg aus der Arbeitslosigkeit, einer beruflichen Neuorientierung oder dem Wiedereinstieg nach Krankheit.
Kläre daher im ersten Schritt die Bedingungen für deinen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben. Hierzu zählen sowohl individuelle als auch rechtliche Rahmenbedingungen, die sich aus deiner Ausgangssituation ergeben.
Zu den individuellen Bedingungen zählen u. a.:
- Möglicher Wiedereinstiegszeitpunkt: Ab wann kannst du realistisch wieder arbeiten? Der Zeitpunkt hängt oft stark von deiner persönlichen Situation ab. Bei Elternzeit legst du den Zeitpunkt deiner Rückkehr in der Regel schon bei deinem Antrag fest. Es gibt allerdings die Möglichkeit, ihn später noch zu verlängern, solange du dich an gewisse Fristen hältst. Nach einer längeren Krankheit wiederum kann es sein, dass du erst eine Reha oder ärztliche Nachsorge abschließen musst, bevor du in den Job zurückkehrst.
- Mögliche Arbeitszeiten: Welche Arbeitszeiten passen zu deinem Alltag? Vielleicht kannst du zunächst nur in Teilzeit starten, weil du die Kinderbetreuung sicherstellen musst. Oder du brauchst flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten, um Familie und Beruf zu vereinbaren.
- Gesundheitliche Einschränkungen: Gibt es gesundheitliche Aspekte, die deine Tätigkeit beeinflussen? Nach einer Erkrankung kann es zum Beispiel sein, dass du keine körperlich anstrengenden Arbeiten mehr ausführen darfst oder auf Schichtdienste verzichten musst. Auch eine stufenweise Wiedereingliederung nach dem BEM-Verfahren kann hier sinnvoll sein.
- Örtliche Einschränkungen: In welchem Umkreis kannst und möchtest du arbeiten? Vielleicht bist du an deinen Wohnort gebunden und kannst nur Stellen in erreichbarer Nähe annehmen. Eltern sind oft auf die Nähe zu Kita oder Schule angewiesen. Nach einer Krankheit kann ein langer Arbeitsweg zu anstrengend sein. Wer arbeitslos ist, sollte wissen, dass die Agentur für Arbeit eine bestimmte Pendelstrecke als zumutbar voraussetzt. Trotzdem solltest du abwägen, was für dich persönlich machbar ist.
Zu den rechtlichen Rahmenbedingungen zählen u. a.:
- Elternzeit: Für die Elternzeit gelten die Vorgaben des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG). Du legst darin unter anderem den Zeitraum deiner Auszeit fest und hast Anspruch auf den Schutz deines Arbeitsplatzes während der Elternzeit. So kannst du dich frühzeitig darauf einstellen, wann und in welchem Umfang du wieder einsteigen möchtest.
- Krankheit: Nach längerer Krankheit hast du als Beschäftigte bzw. Beschäftigter Anspruch auf Maßnahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements, auch BEM genannt (9. Sozialgesetzbuch/SGB IX). Diese Maßnahmen sollen den Wiedereinstieg erleichtern und auf gesundheitliche Einschränkungen Rücksicht nehmen. Dazu gehören zum Beispiel stufenweise Arbeitszeiten oder Anpassungen des Arbeitsplatzes.
- Arbeitslosigkeit: Wenn du aktuell arbeitslos bist und Arbeitslosengeld oder Bürgergeld beziehst, gelten die gesetzlichen Regelungen des Dritten Buches Sozialgesetzbuch (SGB III). Über deine Rechte und Pflichten informiert dich die Agentur für Arbeit, sobald du dich arbeitslos meldest. In diesem Fall kommst du im Übrigen auch für verschiedene finanzielle Förderungen in Betracht.
Die Klärung der persönlichen und rechtlichen Voraussetzungen hilft dir, deine Ziele für den beruflichen Wiedereinstieg zu definieren. Dieser Schritt ist entscheidend, denn er legt den Grundstein für einen erfolgreichen Start zurück in den Job.
2. Persönliches Profil erarbeiten
Der zweite Schritt für einen erfolgreichen Wiedereinstieg ins Berufsleben ist die Entwicklung eines persönlichen Profils. Arbeitslosigkeit oder andere Gründe, die zu einer längeren beruflichen Pause geführt haben, können einiges an Selbstvertrauen kosten. Umso wichtiger ist es, dich mit deinen Stärken, Werten und beruflichen Interessen aktiv auseinanderzusetzen.
Wenn du dir die Zeit nimmst, dein persönliches Profil zu erarbeiten, wirst du in vielerlei Hinsicht davon profitieren:
- Du kannst im nächsten Schritt leichter deinen Wunschjob definieren.
- Du baust Selbstbewusstsein auf.
- Du wirst deine Bewerbung leichter erstellen können.
Um dein persönliches Profil zu erarbeiten, solltest du keine Scheu davor haben, dich intensiv mit dir selbst zu beschäftigen. Beginne damit, dir einige Leitfragen zu stellen, und überlege bei jeder, wie sie auf deine eigene Situation zutrifft:
Was zeichnet mich beruflich und persönlich aus?
Überlege, welche Fähigkeiten und Kompetenzen dich ausmachen. Denke dabei nicht nur an fachliche Kenntnisse, sondern auch an Soft Skills wie Teamfähigkeit, Organisationstalent oder Problemlösungsfähigkeiten. Eventuell bist du besonders gut im Projektmanagement, hast ein Talent für Teamkoordination oder eine ausgeprägte Kommunikationsstärke. Auch Erfahrungen, die du während deiner beruflichen Auszeit gesammelt hast, zählen: Vielleicht hast du während deiner Elternzeit ehrenamtlich ein Vereinsprojekt geleitet oder ein Online-Community-Projekt organisiert.
Welche Kompetenzen, Erfahrungen oder Soft Skills habe ich – auch aus der Auszeit?
Reflektiere, welche neuen Fähigkeiten oder Stärken du gewonnen hast. Hast du gelernt, eigenständig Entscheidungen zu treffen, Prozesse zu organisieren oder digitale Tools effektiv einzusetzen? Vielleicht hast du ein Zeitmanagement entwickelt, das dir jetzt im Berufsalltag zugutekommt, oder du hast Soft Skills wie Empathie und Konfliktlösung gestärkt. Durch die Pflege eines Angehörigen hast du eventuell Organisationstalent und Empathie entwickelt. Oder während einer längeren Reise hast du interkulturelle Kompetenz und Selbstständigkeit aufgebaut.
Was ist mir heute wichtig im Job? Was nicht mehr?
Überlege, welche Aspekte im Job für dich Priorität haben. Vielleicht ist dir eine gute Work-Life-Balance wichtiger als ein schneller Karriereaufstieg oder du wünschst dir mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsspielraum. Gleichzeitig erkennst du möglicherweise, dass Aufgaben, die früher zentral waren, jetzt weniger relevant für dich sind. Zum Beispiel merkst du auch, dass dir flexible Arbeitszeiten wichtiger sind als ein hoher Gehaltssprung. Oder dass Teamarbeit mehr Priorität hat als eine rein fachlich herausfordernde Position.
Welche Rolle spielen Familie, Gesundheit oder Flexibilität in meinem zukünftigen Arbeitsleben?
Denke darüber nach, welche Rahmenbedingungen für dich entscheidend sind, um langfristig motiviert und leistungsfähig zu bleiben. Eventuell brauchst du flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Tage, kurze Pendelwege oder möchtest Arbeitszeiten so gestalten, dass sie mit der Kinderbetreuung kompatibel sind. Vielleicht ist auch wichtig, dass du Phasen zur Erholung einplanen kannst, um gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Diese Selbstreflexion ist eine Art Kompass auf dem Weg zum Wiedereinstieg. Wenn du genau weißt, wo deine eigenen Stärken liegen, was deine Prioritäten sind und was du für ein erfülltes Arbeitsleben brauchst, wird dir der Wiedereinstieg leichter fallen.
3. Wunschjob definieren
Im nächsten Schritt geht es nun darum, deinen beruflichen Weg gezielt zu planen. In vielen Fällen verändert sich durch die Auszeit auch deine Perspektive. Vielleicht bist du ins Grübeln gekommen, ob es sinnvoll ist, einmal etwas ganz anderes zu machen – etwas, das dir womöglich mehr Spaß macht. Oder du musst dir aufgrund einer Krankheit oder weil dein alter Job keine Zukunft mehr hat, einen neuen Beruf suchen.
Frage dich daher konkret:
Möchte ich in meinen alten Job zurück oder mich beruflich neu ausrichten?
Überlege, ob deine bisherigen Aufgaben noch zu dir passen oder ob ein neuer Job sinnvoll ist. Vielleicht hattest du im alten Job wenig Gestaltungsspielraum und möchtest jetzt eine Position, in der du mehr Verantwortung übernehmen kannst. Oder du hast während deiner Auszeit neue Fähigkeiten erworben – z. B. durch eine Weiterbildung, – die dich jetzt für anspruchsvollere Aufgaben oder eine höhere Position qualifizieren. In diesem Fall kann ein beruflicher Neustart die Chance bieten, deine neuen Kompetenzen gezielt einzusetzen und einen Karrieresprung anzustoßen.
Welche Tätigkeiten passen zu meinen aktuellen Lebensumständen?
Überlege, wie Familie, Gesundheit oder andere Lebensumstände deinen Arbeitsalltag beeinflussen. Vielleicht brauchst du flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten oder Aufgaben, die weniger körperlich oder psychisch belastend sind. Auch ein Job mit klaren Strukturen kann hilfreich sein, wenn du gerade wieder in einen geregelten Arbeitsrhythmus zurückfindest. Wichtig ist, dass die Tätigkeit mit deiner aktuellen Lebenssituation vereinbar ist, damit du langfristig motiviert und leistungsfähig bleibst.
Welche Berufe haben Zukunft?
Denke darüber nach, welche Branchen oder Tätigkeiten langfristig gefragt sind. Informiere dich über Entwicklungen in deiner Branche, neue Technologien oder aufstrebende Berufsfelder. Vielleicht eröffnen sich durch digitale Tools oder neue Geschäftsmodelle Chancen, die du vorher nicht bedacht hast. Wenn du die Zukunftsfähigkeit eines Berufs im Blick hast, kannst du deinen Wiedereinstieg gezielt planen und dich auf Positionen vorbereiten, die langfristig Sicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Einen Überblick über Berufe mit besonders guten Zukunftsaussichten findest du in unserem Blogartikel.
Welche Werte und Interessen möchte ich in meinem Beruf verwirklichen?
Reflektiere, was dich motiviert und erfüllt. Legst du Wert auf kreative Freiheit, Teamarbeit, Nachhaltigkeit oder Innovation? Vielleicht möchtest du Aufgaben übernehmen, die einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten, oder dich stärker in Projekten engagieren, die deinen persönlichen Interessen entsprechen. Die bewusste Ausrichtung an Werten und Interessen hilft dir, einen Job zu finden, der dich langfristig zufriedenstellt und in dem du dich weiterentwickeln kannst.
Mithilfe dieser Fragen kannst du deinen Wunschjob einfacher definieren.
4. Kompetenzen erweitern und Qualifikationen auffrischen
Vor deinem beruflichen Wiedereinstieg lohnt es sich, deine fachlichen und digitalen Kompetenzen auf den neuesten Stand zu bringen. So verbesserst du deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt und signalisierst potenziellen Arbeitgebenden Engagement.
In der heutigen Berufswelt ist lebenslanges Lernen unerlässlich. Um dir jedoch den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern, ist eine berufliche Weiterbildung besonders sinnvoll. Denn Weiterbildungen im Lebenslauf können schnell zu deinem USP (Unique Selling Proposition) gegenüber anderen Bewerberinnen und Bewerbern werden. Du kannst damit schwarz auf weiß nachweisen, dass deine Kenntnisse aktuell sind und genau du das Know-how besitzt, das für diesen Job benötigt wird.
Deshalb solltest du dich fragen:
Welche Fähigkeiten benötige ich für meinen Wunschjob?
Überlege, welche fachlichen Kompetenzen du aktuell beherrschst und welche noch fehlen. Vielleicht musst du bestimmte Softwarekenntnisse auffrischen, neue gesetzliche Vorgaben kennen oder branchenspezifische Prozesse verstehen. Auch Soft Skills wie Projektmanagement, Kommunikation oder Führungskompetenz können durch gezielte Kurse gestärkt werden.
Welche Fähigkeiten für die digitale Arbeitswelt sollte ich mir zusätzlich aneignen?
Digitale Kompetenzen sind in fast allen Branchen entscheidend. Dazu zählen grundlegende IT-Kenntnisse, der Umgang mit digitalen Tools oder Plattformen, Datenanalyse oder auch Social-Media-Kompetenz. Eine gezielte Weiterbildung kann diese Kenntnisse vertiefen und auf den neuesten Stand bringen.
Wichtig ist, dass du dir ausführlich Gedanken machst oder dich beraten lässt, welche Weiterbildung die richtige für dich ist. Du kannst beispielsweise mit Berufsberatungen oder Weiterbildungsträgern sprechen, um herauszufinden, welche Kurse am besten zu deinem Wunschjob und deinem aktuellen Wissensstand passen.
5. Bewerbungen schreiben und sichtbar werden
Für manche Menschen stellt die Bewerbung eine große Hürde dar. Gerade, wenn seit der letzten beruflichen Tätigkeit ein paar Jahre vergangen sind. Doch mit guter Vorbereitung und einem klaren Profil kannst du auch mit Lücken im Lebenslauf überzeugen.
Das hilft dir weiter:
- Aktuelle Bewerbungsstandards verstehen (z. B. Onepager, Onlineportale, LinkedIn)
- Selbstbewusst mit der beruflichen Pause umgehen und sie aktiv einordnen („Was habe ich in dieser Zeit gelernt?“)
- Bewerbungsschreiben individuell auf die Stellen zuschneiden
- Auf Vorstellungsgespräche gezielt vorbereiten – inkl. häufiger Fragen zum Wiedereinstieg
- Während der Elternzeit: Kontakt zur alten Arbeitgeberin oder zum alten Arbeitgeber halten, z. B. durch regelmäßige Updates, Austausch mit Kolleginnen und Kollegen oder Teilnahme an Firmenevents
Wenn du deine Bewerbung abgeschickt hast, kannst du kurz durchatmen. Aber dann gilt es, dich darauf vorzubereiten, wie du im Bewerbungsgespräch überzeugst oder sogar ein Online-Vorstellungsgespräch meisterst, das immer häufiger von Unternehmen genutzt wird.
Wichtig: Lasse dich nicht entmutigen, wenn es nicht sofort klappt. Der Einstieg nach einer Pause braucht Zeit und das ist völlig in Ordnung. Bleibe geduldig, offen und neugierig.
Wiedereinstieg nach Elternzeit
Gerade für Eltern und insbesondere für Mütter kann der Wiedereinstieg nach der Elternzeit eine große Herausforderung darstellen. Oftmals hat sich in der Zeit der Abwesenheit viel verändert und auch die Umstellung von der Elternrolle zurück in die Arbeitnehmerrolle kann schwierig sein.
Was ist Elternzeit?
Als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer hast du einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit, um dein Kind zu betreuen und zu erziehen. So kannst du dein Kind priorisieren, ohne dir dabei Sorgen um deine berufliche Situation machen zu müssen. Denn während der Elternzeit ruht dein Arbeitsverhältnis und wird im Anschluss fortgesetzt. Das bedeutet, dass du nicht nur Anspruch auf die Auszeit hast, sondern auch einen Anspruch auf den Wiedereinstieg.
Während der Elternzeit unterliegst du einem besonderen Kündigungsschutz und kannst nicht entlassen werden. So musst du dir keine Sorgen machen, dich nach der Elternzeit arbeitslos melden zu müssen. Deine Arbeitgeberin oder dein Arbeitgeber ist verpflichtet, dich nach der Elternzeit weiterzubeschäftigen, jedoch nicht zwingend in genau der Position, die du vor der Elternzeit innehattest. Du hast lediglich Anspruch auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz. Wichtig ist, dass die neue Position dich nicht schlechter stellt als vorher. In den wesentlichen Punkten muss sie dem entsprechen, was im Arbeitsvertrag vereinbart wurde – dazu zählen insbesondere das Gehalt, die Arbeitszeit und der Arbeitsort.
Ist eine Rückkehr nach der Elternzeit in Teilzeit möglich?
Viele Eltern möchten nach der Elternzeit in Form einer Teilzeitstelle in den Job zurückkehren. Das kann unterschiedliche Gründe haben – von fehlenden Betreuungsplätzen bis hin zu dem Wunsch, weiterhin mehr Zeit für die Betreuung des Kindes zu haben.
Allerdings ist ein Wiedereinstieg in Teilzeit gar nicht ohne Weiteres möglich. Wenn du vorher in Vollzeit gearbeitet hast, ist die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber nämlich nicht verpflichtet, dir eine Teilzeitstelle zu ermöglichen. Laut dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) hast du einen Anspruch auf eine Verringerung deiner Arbeitszeit, wenn:
- du bereits länger als sechs Monate in einem Arbeitsverhältnis mit deiner Arbeitgeberin oder deinem Arbeitgeber stehst,
- du die Verringerung deiner Arbeitszeit bei deiner Arbeitgeberin oder deinem Arbeitgeber spätestens drei Monate vor deren Beginn in Textform geltend machst,
- keine betrieblichen Gründe gegen eine Verringerung deiner Arbeitszeit sprechen und
- die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber, unabhängig von der Anzahl der Personen in Berufsbildung, in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmende beschäftigt.
Ist der Wiedereinstieg nach Elternzeit ein reines Frauenthema?
Zwar ist der Anteil an Vätern, die sich nach der Geburt ihrer Kinder eine berufliche Auszeit nehmen, in den letzten Jahren gestiegen, dennoch sind es aber weiterhin Frauen, die Elternzeit deutlich häufiger in Anspruch nehmen.
Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes lag der Anteil der männlichen Elterngeldbeziehenden in Deutschland im Jahr 2024 bei 25,8 %. Damit ist der Anteil der Väter in den letzten Jahren wieder gesunken (2015 lag der Wert noch bei 20,9 %).
Von einem Gleichgewicht kann noch lange nicht die Rede sein. Das zeigt sich noch deutlicher an der Länge der Elternzeit. Während Frauen durchschnittlich für 14,8 Monate in Elternzeit gehen, liegt der Durchschnitt bei Männern dagegen nur bei 3,8 Monaten.
Die Elternzeit und damit auch der berufliche Wiedereinstieg ist also nach wie vor ein Frauenthema. So sind es zum größten Teil auch Frauen, die nach der Elternzeit in Form einer Teilzeitstelle in den Beruf zurückkehren. Studien zeigen, dass fast 70 % aller berufstätigen Mütter in Teilzeit arbeiten. Bei den Männern sind es im Durchschnitt gerade mal 8 %. Ergänzend dazu belegen Studien, dass sich die Geburt eines Kindes immer noch negativ auf das Einkommen von Frauen in Deutschland auswirkt. Laut der Studie verdienen Mütter im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 40 % weniger als Frauen ohne Kinder.
Tipps für den Wiedereinstieg nach der Elternzeit
Plane deinen Wiedereinstieg möglichst frühzeitig – idealerweise bereits zu Beginn der Elternzeit. Kläre mit deiner Arbeitgeberin oder deinem Arbeitgeber:
- Wann möchtest du zurückkehren?
- In welchem Umfang möchtest du arbeiten (z. B. Teilzeit während oder nach der Elternzeit)?
- Ist deine bisherige Position noch verfügbar oder welche Alternativen sind möglich?
Sichere dir rechtzeitig eine verlässliche Kinderbetreuung, die zu deinem Arbeitsmodell passt – z. B. Kita, Tagespflege, familiäre Unterstützung, Au-pair oder ggf. Homeoffice-Regelungen. In manchen Fällen kann deine Arbeitgeberin oder dein Arbeitgeber auch steuerfreie Zuschüsse zur Kinderbetreuung leisten (§ 3 Nr. 33 EStG). Frage daher frühzeitig nach!
Auch wenn dein Fokus längere Zeit auf der Familie lag, hast du viele Kompetenzen aufgebaut, die im Beruf wertvoll sind, z. B. Organisation, Belastbarkeit, Zeitmanagement. Diese Fähigkeiten gehören ebenso zu deinem Profil wie berufliche Qualifikationen.
Fazit: Gut vorbereitet zurück in den Job
Der Wiedereinstieg in den Beruf erfordert Mut, Planung und Selbstvertrauen. Gerade der Wiedereinstieg nach der Elternzeit stellt dich vor viele Herausforderungen, denn plötzlich gilt es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen und beidem gerecht zu werden.
Versuche, dich nicht selbst unter Druck zu setzen. Gib dir die nötige Zeit, um dich an die neue Situation zu gewöhnen. Denke daran, dass jede Veränderung und jeder neue Prozess Zeit braucht und dass es normal ist, sich zu Beginn unsicher zu fühlen.
Wenn du deine Ziele klar definierst, deine Stärken kennst, dich fachlich vorbereitest und dich nicht unter Druck setzt, stehen deine Chancen gut, beruflich wieder Fuß zu fassen.